Hui... danke ^_^
Da mach ich mal weida
Kapitel 7
~Die schwarze Katze~
Link schlug mit der Faust gegen die kalte, graue Wand. Das durfte nicht wahr sein. Er war sehr lange durch die Gänge geeilt. Wie viel Zeit verstrichen war, wusste er nicht genau. Seit er sich hier, im Reich der Träume, befand, hatte Link sein Zeitgefühl verloren. Vielleicht irrte er schon seit Stunden umher. Aber das war unwichtig. Bedeutungslos. Nichts sagend. Er konnte es nicht begreifen. Seine Augen starrten in die Leere. Abwesend schüttelte er den Kopf. Das Labyrinth wirkte erdrückend klein. Ohne Ausweg. Wie ein Kerker, in dem er auf ewig gefangen war. Ohne Wiederkehr.
Der Hylianer war im Kreis geirrt. Wahrscheinlich schon die gesamte Zeit. Eingetrocknete Blutflecken am Boden, hatten es ihm gezeigt. Es war sein Blut. Als ihn dieser Schatten verletzt hatte, gingen einige Tropfen zu Boden. Link stand der Verzweiflung gegenüber. Er war irgendwo mitten im Labyrinth. Orientierungslos. Hoffnungslos verloren. Doch noch gab Link nicht auf. Nicht jetzt. Noch war sein Wille stark genug, allen Ängsten zu trotzen. Er eilte wieder los, nahm an der nächsten Verzweigung jedoch einfach den linken Gang. Das wiederholte er bei jeder Weggabelung. Vielleicht würde der Hylianer auf diese Weise, den richtigen Weg finden. Die Zeit verstrich gnadenlos. Nach vielen mühsamen Schritten, stoppte der junge Hylianer keuchend.
„Nein...“, murmelte er matt. Seine Augen blickten entsetzt zu Boden. Erneut waren Flecken seines Blutes am Boden. Verewigt im Stein. Es hatte ihm nichts genützt, nun die linken Gänge zu wählen. „Nein...“, wiederholte er. Unbeachtet glitt eine Seele an ihm vorbei. Jene unterdrückte Welle des Zorns und der Verzweiflung überkam ihn. Link hämmerte mit der rechten Hand auf die Wand ein, solange, bis ihm die Gelenke schmerzten. Dann drückte er die Hand erneut auf die pochenden Wunden, und lehnte sich, mit dem Rücken, gegen die kühle Wand. Er hatte wieder schier unzählige Gänge hinter sich gelassen, und war trotzdem im Kreis gelaufen. Sicherheitshalber hielt der Hylianer kurz in beide Richtungen des Ganges nach dem Schatten Ausschau. Niemand. Nur ewige Stimmen, Schreie die ihn bei jedem Schritt verfolgten, ihn langsam zermalmten, in die Irre führten.
„Ruhe!“, rief Link wütend, doch mit dem Wissen, auch damit nichts ausrichten zu können. Er zügelte seine Verärgerung langsam. Zorn würde sein Handeln und Denken nur schlecht beeinflussen. Aber Tatsache war, das er sich verirrt hatte, verloren war. Gefangen im Labyrinth, wie Audacia es prophezeite, jener Satz voraussagte, und die Inschrift der Grabplatte verkündet hatte. Dennoch durfte er nicht aufgeben, nicht in einer solchen Situation. Er, musste seine Aufgabe erfüllen, um jeden Preis. Für Zelda. Für Hyrule. Für das Volk, welches schon immer an den Helden der Zeit glaubte. Das Schicksal in seine Hände legte. Ihm die Verantwortung übergab. Er durfte all diese nicht enttäuschen, besonders nicht Zelda.
Der Gedanke an sie, hatte ihm schon oft neue Hoffnung gegeben. Egal wie aussichtslos alles schien. Es gab immer Hoffnung. Auch wenn sie nur sehr gering war. Doch nun? Sollte er hier für die Ewigkeit gefangen sein? Auf der Suche nach dem richtigen Weg? Langsam den Verstand verlieren? So weit könnte es nicht einmal kommen, vorher müsste er, jämmerlich verdursten und sterben. Aber ihm war keine andere Wahl, als dieses Labyrinth, gegeben. Die einzige Chance. Der einzige Weg. Sein Todesurteil. Doch er würde kämpfen. Auch bis zum bitteren Ende.
„Folge den Stimmen, traue ihnen, sie werden dir den richtigen Weg zeigen! Dies ist eines der Geheimnisse des Labyrinths.“, ertönte unerwartet eine verträumte, unheimliche Frauenstimme in seinen Gedanken. Nimue. Diese Stimme, mit dem träumerischen Klang, war eindeutig ihre. In Link blitzte wieder die Zuversicht auf. „Nimue! Vielen Dank!“, äußerte Link in die Leere des Labyrinths. Keine Antwort. Schweigen in seinen Gedanken. Obwohl er auch nicht mit einer Antwort gerechnet hatte. Nimue war wieder verschwunden. Wohin, war ihm unbekannt, es war auch nicht von Bedeutung. Der Hylianer befolgte ihre Anweisung, ohne einen kurzen Moment zu zögern, und konzentrierte sich auf die Stimmen.
Zuvor war es ihm entgangen, dass die Stimmen wahrhaftig aus einer bestimmten Richtung ertönten. Er achtete nur noch auf die fremden Worte. Eilends folgte er ihnen. Durch lange Gänge. Mal nahm er den linken, andermal den rechten Weg, oder umgekehrt, ohne eine bestimmte Methode einzuhalten. Immer nur dem Gemurmel folgend. Seine gesamte Aufmerksamkeit spendete er den Stimmen, um nicht auch nur die kleinste Veränderung zu überhören. Keinen Gedanken verschwendete er noch an diesen Schatten. Die Worte schienen lauter zu werden, je mehr Link ihnen nachkam. Sein Hals brannte, die Wunden lähmten seinen linken Arm. Doch er wollte nicht stoppen, nicht jetzt da die Hoffnung, wieder sein war. Getrieben von seiner Willensstärke, hastete der Hylianer wieder um eine Ecke.
Augenblicklich hielt er inne. Sogar sein Atemzug stockte kurz. „Endlich...“, flüsterte er. Ein zufriedenes Lächeln streifte sein Gesicht. In seinen Augen spiegelte sich Erleichterung. Link hatte es geschafft. Nach langer, mühsamer Zeit. Vor ihm lag ein größerer, quadratischer Raum. Am hinteren Ende befand sich ein steinerner Altar. Darauf weilte horizontal ein leuchtender Gegenstand. Ein Stab aus purem Gold. An beiden Enden lief er spiralförmig zu. In einer Spirale schwebte jedoch eine violette Kugel, die schimmerte als würde Nebel darin tanzen. Die andere Windung war kleiner und ohne Inhalt. Der Stab der Träume. Er betrat schnellen Schrittes den Raum. Seine Aufgabe war bewältigt. Bald würde er wieder nach Hyrule, zu Zelda zurück kommen. Links sehnlichster Wunsch. Der Hylianer eilte zum Altar. Schon hob er den rechten Arm an, streckte seine Hand danach. Schon fühlte er sich der Aufgabe entbürdet, sicher, gerettet. Eine voreilige Folgerung. Übereifrig.
„Ich danke dir wirklich vielmals, das du mich geführt hast! Jetzt bin ich aber an der Reihe!“, unterbrach ihn eine hohe Frauenstimme. Link stoppte verdutzt und wandte sich um. Im Portal des Raumes stand eine junge Frau mit verschränkten Armen. Sofort fielen Link ihre sonnengelben Augen, mit den schmalen Pupillen, auf. Die Augen des Schattens. Ihr hageres Gesicht besetzte ein siegessicheres Grinsen ausgehend von ihren ebenmäßigen Lippen. Sie war eine Hylianerin. Einige goldene Ohrringe schmückten ihre langen, spitzen Ohren. Ein schulterfreies, hautenges schwarzes Kleid betonte ihre schlanke Statur. Der goldene Saum reichte bis zum Boden. Ein breiter Gürtel aus Gold schlang sich um ihre Hüfte. Sie hatte rabenschwarze, kinnlange Haare, die von einem Diadem zurückgehalten wurden. Viele Armreife klirrten, als sie sich geschmeidig Link näherte.
„Wer bist du?“, fragte dieser und hielt den Griff des Schwertes zum Kampf bereit umklammert. Die Hylianerin, war die Gestalt, der er seine Verletzungen zu verdanken hatte. Sie hatte ihn angegriffen. Geschwächt. Doch mit welcher Waffe? Wie hatte sie sich auch derartig schnell bewegen können? „Gestatten, ich bin Morgana, und wenn ich nicht irre, bist du Link, der Held der Zeit.“, erwiderte sie. Ihre Augen musterten ihn. „Du irrst nicht, man nennt mich so. Aber, in wessen Auftrag handelst du, und wieso bist du mir gefolgt?“, äußerte Link. „In wessen Auftrag?“, Sie kicherte übertrieben, „Ich handle für niemanden. Ich tue eigentlich alles für mich selbst. Nur zu meinem Nutzen, solltest du wissen. Nun muss ich aber etwas für einen Hylianer, namens Mion erledigen, damit es auch mir nützt.“, meinte sie mit einem abfälligen Blick, „Eine leichte Aufgabe, wie ich vermute. Ich muss dich töten, und diesen Stab der Träume besorgen, deshalb bin ich dir gefolgt! Doch... nebenbei gesagt, ich finde du bist ein wirklich hübscher Hylianer. Es ist schade das du schon bald sterben musst.“
Link blickte sie misstrauisch an. „Da ich bekanntlich selbst über mein Tun bestimme, lasse ich dir, weil du mir gefällst, ausnahmsweise die Wahl. Willst du lieber im Labyrinth verrotten, vielleicht entdeckst du vorher auch den Ausgang, oder muss ich dich umbringen, es würde für mich kein Problem darstellen, nur du gefällst mir eben.“, fügte sie mit einem gespielt mitleidigen Blick dazu. „Nichts von beiden! Entweder du gibst auf, oder wir werden um den Stab der Träume kämpfen müssen.“, rief Link. Er ahnte ihre Antwort. Wieder ein Kampf. Obwohl dass Kämpfen eine unheilvolle Leidenschaft von ihm war, zweifelte er manchmal an der Richtigkeit seines Handelns. Auch wenn es eine so hinterhältige, aber menschliche, Gegnerin war. Besonders ihre Frechheit übertraf alles. Davon durfte er sich dennoch nicht ablenken lassen. Sie handelte durch die Befehle Mions. Sie war eine Dienerin des Bösen. Er, musste kämpfen. Für Zelda, für Hyrule, für das Gute. Ebenso um sein Leben. Er, musste sie töten. Link nahm den Schild vom Rücken, und konzentrierte sich auf den herannahenden Kampf. Der andauernde Schmerz von seinen Wunden wurde belanglos. Er sammelte seine letzten Kräfte.
„Wie du willst. Ich kämpfe natürlich, wie du dir vielleicht schon gedacht hast.“, antwortete Morgana mit einem Schulterzucken, „Mach dich auf dein Ende gefasst!“ Die junge Frau hob ihre Arme an, kreuzte diese vor der Brust. Ein bösartiges Lächeln zog über ihre Gesichtszüge. Sie spreizte die Finger. Ein seltsames Geräusch, ähnlich eines Zischens erklang. Dabei verlängerten sich ihre Fingernägel auf eine übernatürliche Länge, annähernd so lang wie der Unterarm des Hylianers. Silbrig glänzend, wie tödlichscharfe Dolche. Nun wusste Link, weshalb es fünf Wunden an seinem Arm waren. Die Verletzungen stammten von Morganas Fingernägeln. Tückische Krallen. „Nun? Überrascht? Willst du womöglich aufgeben? Es wäre nun ein angenehmeres Ende für dich!“, hallte Morgana, „Vorhin, warst du mit deiner Verteidigung recht langsam.“ Sie senkte ihre Arme.
Der erste Angriff folgte. Morganas Attacke. Blitzschnell huschte die Frau lautlos auf ihn zu. Dabei richtete sie ihren rechten Arm nach vorne, zielsicher auf das Herz des Hylianers. Link hielt abwehrend sein Schild vor sich. Mit dem Schwert holte er aus um einen Schlag vorzubereiten. Morgana änderte ihr Vorhaben nicht. Ihre Fingernägel berührten den Schild. Durchbohrten das Metall mühelos. Die Hylianerin zog wieder ihre Hand heraus. Risse bildeten sich. Tief. Zerstörerisch. Sein einst schützender Hylia-Schild zersprang, und fiel in vielen kleinen Stücken hinab auf den Steinboden. Kurz zögerte Link deshalb. Morgana nutzte die Chance und stach mit der linken Hand nach ihm. Im letzten Moment sprang er auf die Seite. Knapp verfehlten den Kämpfer jene tödlichen Krallen. Der Luftzug schnitt an ihm vorbei. Wie konnten ihre Nägel eine solch vernichtende Kraft besitzen?
Doch der Hylianer hatte keinen Moment mehr zum Überlegen, schon stürmte sie wieder los. Unglaublich schnell. Drängte ihn zurück, indem sie mal mit der rechten, dann mit der linken Hand, Link attackierte. Mit schnellen Sprüngen nach hinten wich er aus. Er benötigte dringend eine gutüberlegte Taktik. Unerwartet spürte er jedoch die Wand hinter sich. Er saß in der Falle. Ihm musste rasch eine Idee einfallen. Sehr rasch. Morgana holte für einen endscheidenden Stich, länger aus als zuvor. Der Hylianer erkannte dies, sprang zur Seite. Sie konnte die Attacke nicht mehr stoppen. Ihre Nägel bohrten sich, statt durch Link, tief in die Wand. Kleine Steinbrocken bröselten hinunter. Sie wollte ihre Nägel sofort herausreißen. Die Krallen steckten allerdings sehr tief und fest im Stein. Morgana rüttelte wild mit der Hand. Versuchte ihre Nägel zu befreien. Kurz war sie unaufmerksam.