Wolfgang Jeschke – Das Cusanus Spiel
Beschreibung á la Buch.de:
"Europa im Jahr 2052: Nach der großen atomaren Katastrophe in Deutschland stellt sich die Frage des Überlebens. Fieberhaft arbeiten Wissenschaftler und ein mysteriöses vatikanisches Institut an möglichen Lösungen. Dabei verdichtet sich eine Vermutung immer mehr: Der Schlüssel zur Rettung könnte in der Vergangenheit liegen. Über brisantes Wissen müssen ihre Auftraggeber verfügen; dies ahnt die Biologin Domenica Ligrina, als sie in Rom mit anderen Naturwissenschaftlern für ein geheimes Zeitreise-Projekt angeworben wird. Ihr Auftrag: im Deutschland des 15. Jahrhunderts Pflanzen und Samen sammeln, die für die Renaturierung der verstrahlten Gebiete benötigt werden. Der mystische Kosmos des Mittelalters zieht Domenica in seinen Bann, und so taucht sie ein in diese ferne Zeit - eine Glaubenswelt, deren labyrinthische Kreise sich ihr nur schwer erschließen wollen. Ihre Mission droht jedoch zu scheitern. In Köln wird sie als Hexe angeklagt und verurteilt. Domenicas ganze Hoffnung richtet sich auf Kardinal Nicolaus Cusanus. Nur er, der einflussreiche Kirchenreformer und Naturforscher, könnte sie wohl vor dem sicheren Tod bewahren. Wird es Domenica gelingen, mit ihm Kontakt aufzunehmen? Und wird sie schließlich wieder in ihre Zeit zurückkehren können?"
Eigene Meinung:
Wieder ein Buch, das ich eigentlich nur aus Not und Langeweile, denn aus Interesse angefangen hab zu lesen. Schon der Klappentext macht einem deutlich, dass es sich hierbei um einen weiteren futuristischen Angstmacher handelt, der einen Hang zur Weltuntergangsstimmung hat. Wer solche Zukunftsszenarien mag, der ist bei diesem Buch richtig, alle anderen werden nur mit großer Mühe über die ersten 200 Seiten kommen, da viel Zeit und Tinte darauf verwendet wird, auch die uninteressantesten Begebenheiten noch bis ins Detail zu erklären. Danach kommt das Buch jedoch ein wenig mehr in Fahrt. Man erkennt, dass der Autor seine Arbeit versteht, und man ist trotz mehrmaliger Zeitsprünge nicht von dem Drang beseelt, das Buch wegzuschmeißen, da es den Handlungszügen keinen Abbruch tut und die Spannung aufrechterhalten bleibt.
Die Personen sind teils lebensnah, teils phantasievoll gestaltet, aber man erkennt zumindest bei den Hauptpersonen Anflüge von Romantypischen Eigenarten wie Exzentrizität. In dieser Hinsicht wirken sie also durchaus sympathisch. Durch die unheimlich weit gestaffelten Dialoge, die zum Teil unnötig in die Länge getrieben werden, kann es aber passieren, dass man in dem Buch den Überblick verliert, was, wenn nicht bei den Dialogen, spätestens in der Mitte des Buches geschieht, da einige Handlungsstränge wieder einmal erst ganz zum Schluss mit einiger geistiger Anstrengung klar werden.
Mich persönlich quälte auch das komplette Buch die Frage, warum die Europäer mit ihre überlegenen Technik, auf deren Beschreibung im Endeffekt auch viel zu viel Zeit verwendet wurde, es nicht schafften, sich einer Horde von Flüchtlingen aus Afrika zu erwehren, bzw. zu einem geistreichen Kompromiss zu kommen.
Kleinere Antwortalternativen lassen sich dazu in der abstrusen Vorstellung eines zur Großmacht aufgestiegenen Österreichs wieder finden. Es wird deutlich, dass die Idee einer futuristischen Europäischen Union, die sich im Widerstreit mit einigen unbeugsamen Ex-Mitgliedsstaaten und dem nach Norden expandierenden Dritte-Welt-Staaten befindet, nicht ganz ausgereift ist, was insgesamt einen deutlichen Makel auf das Buch wirft. Des Weiteren vermisse ich eine detailliertere Beschreibung des Super-GAUs in Deutschland, die nach den hunderten von Erwähnungen doch sehnsüchtig erwartet wird, jedoch leider ausbleibt.
Ebenso übertrieben scheint mir die Schwarzmalerei einer allzu ehrgeizigen Technik und die Aussichten, dass wir eines Tages von Robotern als Sklaven oder Futterlieferanten gehalten werden. Für mich ist das einmal mehr ein zu tiefer Griff in die Klischeekiste der Ängste der Wissenschaften.
Hervorzuheben sind jedoch der Ideenreichtum und die Perioden, in denen man sich in der Vergangenheit wieder findet, da dies als Pendant zur bösen Zukunftsvision eine gewisse Beruhigung gibt, und man förmlich merkt, wie viel gemächlicher es im Mittelalter im Vergleich zu unserer hektischen Gegenwart zugegangen sein muss.
Insgesamt ist dieses Buch also durchaus eine Bereicherung für ein jedes Regal – über die Beurteilung lässt sich jedoch streiten. Ich für meinen Teil hielt es für eine gute Erfahrung, jedoch hab ich erkannt, dass ich wohl nie für so eine Art von Literatur zu begeistern bin.
Bewertung:
Spannung: 2/5
Es gab durchaus Stellen, in denen man nicht im Traum daran dachte sich von dem Buch loszureißen, verglichen mit dem restlichen Käse kamen diese aber allemal zu kurz.
Inhalt: 3/5
Nette Geschichte, das muss man sagen. Auch die Handlung an sich war mir fast neu. Darüber hinaus war es überwiegend gut beschrieben, jedoch meistens zu abgespeckt und unglaubwürdig.
Stil: 3/5
Eine teilweise doch recht anspruchsvolle Schreibweise sorgt endlich mal für Abwechslung und würde dem Stilkreterium auch noch weitere Punkte einbringen, wenn es mit der Ausgefallenheit der Geschichte zusammenpassen würde. Da beides sich aber meistens eher entgegensteht, und somit für ein ziemlich anstrengendes Lesen sorgt, eine kleine Abwertung.